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Autoverwertung
Messerli, Kaufdorf
Kaufdorf ist eine kleine Gemeinde
bei Belp im bernischen Gürbetal. Eigentlich ein ganz normales Dorf, aus
automobilistischer Sicht aber einmalig in der Schweiz. In Kaufdorf
existiert seit Jahrzehnten eine Autoverwertung, betrieben von der Familie
Messerli. Das Besondere an dieser Autoverwertung ist ein Gelände, auf dem
hunderte von Fahrzeugen lagern, die teilweise seit den Dreissigerjahren
dort stehen. Viele unter freiem Himmel und mittlerweile von einer üppigen
Vegetation umschlungen und durchwachsen. Letztmals wurden auf dem Gelände
im Jahr 1975 Fahrzeuge abgestellt.
Abbrüche wie diese existierten früher viele und es war durchaus üblich,
die nicht mehr benötigten Autos einfach auf einer Wiese zu lagern, bis
sich ev. ein Käufer für den Wagen oder Teile davon fand. War dies nicht
der Fall, blieb das Auto halt stehen – oftmals jahrelang. Als dann unsere
Grünen Freunde zu Beginn der Siebzigerjahre fanden dass diese Zustände
unverantwortlich seien, mussten die Autoverwerter zunehmend strengere
Vorschriften erfüllen, so durften die Schrottautos nur auf festen Beton-
oder Asphaltböden abgestellt werden. Vielfach wurden Hallen und
Unterstände erstellt und die einstigen Lieblinge waren von aussen nicht
mehr sichtbar.
Herr Messerli sen., 1986 verstorben, baute zwar auch Hallen und offene
Unterstände, von Betonböden wollte er aber nichts wissen – die hätten ja
auch noch eine Menge Geld gekostet und aus seiner Sicht wohl auch nichts
gebracht. Eine Auflage war auch, um das Areal herum Bäume zu pflanzen.
Diese Auflage wurde erfüllt und die Bäumchen sind mittlerweile zu einem
veritablen Wald herangewachsen, ein richtiges Stück Natur und sicher ein
Paradies für viele Tiere.
Gegen die übrigen Auflagen aber widersetzte sich Herr Messerli und sein
Sohn Franz bis zum heutigen Tag, aber leider erfolglos. Franz Messerli,
heute Betreiber der Anlage, muss das gesamte betroffene Areal räumen oder
eben zubetonieren (wie wenn nicht schon genug zubetoniert würde auf dieser
Welt). Die Räumung ist wohl die einzige Alternative, denn ein Verkauf der
Autos oder Teile kommt für Franz Messerli nicht in Frage. Einfach und
kostengünstig ist aber auch eine Räumung nicht, denn viele Fahrzeuge sind
bereits so vom Rost zerfressen, dass eine Bergung am Stück nicht möglich
wäre.
Vielleicht ist aber eine andere Lösung möglich, die Erhaltung dieses
einmaligen Schrottplatzes als Freilichtmuseum. Sicher eine wünschenswerte
Vorstellung. Auch dürften die Autos für die Umwelt keine grosse Gefahr
mehr darstellen, da Treibstoffreste längst verdunstet sind und allfällig
auslaufendes Öl von der Natur sicher längst zersetzt und abgebaut.
Wir Menschen machen uns in diesem Fall zu viele unnötige Sorgen für unsere
Umwelt. Sieht man überall wie Mose und Farne und anderes Kraut ganz
langsam die Fahrzeuge ‚verdauen’, dürfte die Natur, die leider nicht
sprechen kann, mit diesem Stück Kulturgut keine Probleme haben.
Für die Erhaltung dieses wunderbaren Fleckens setzt sich ein Verein ein.
Infos dazu gibt es auf
www.autofriedhof.ch
. Man darf auf eine erfolgreiche Umsetzung der Idee hoffen und sich
vielleicht schon bald auf ein ‚automobilhistorisches Ballenberg’ freuen.
Unsere Bilder entstanden am 8. September 2007. An diesem Wochenende war
der Autofriedhof für die Öffentlichkeit zugänglich und der Verein hat
damit auf sein Anliegen – auch mit einer Unterschriftenaktion – aufmerksam
gemacht. |