INTERNATIONALE RHEIN-BODENSEE OLDTIMER-TROPHY 2002

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Veranstaltungen für Fahrzeuge aus den Anfängen der Automobilproduktion, das heisst bis Baujahr 1904, gibt es nur sehr wenige. Die bekannteste ist sicher die jährlich im November stattfindende eintägige Rallye London – Brighton. In Frankreich findet jeden Oktober, ebenfalls während nur eines Tages, das ‚Rallye des Ancêtres des Hauts de Seine’ und in Belgien während zweier Tage im Juni das Randonnée des ‚Avant 1905’ statt. In der Schweiz fand bereits zehnmal die ‚Tour du Léman’ statt, jeweils während 5 Tagen im September.

 Fahrzeuge, die rund hundert Jahre alt sind, sieht man sonst nur vereinzelt an grossen Events oder in Museen und Ausstellungen. Dass aber diese Autos, aus heutiger Sicht würde man sie eher als Motorkutschen bezeichnen, durchaus noch fahrtüchtig sind, hat die tolle Veranstaltung im Bodenseegebiet bewiesen. Der Mercedes-Rennwagen mit mächtigem Vierzylinder-Motor erreicht noch heute Geschwindigkeiten von gut 120 km/h!
Organisiert wurde der Anlass von OCCE Oldtimer- & Classic Car Events mit Sitz im westschweizerischen Yvonand unter der Leitung von Ernest Schmid und Urs P. Ramseier sowie von Alex E. Rüber, der für die Fahrleitung und die Gesamt-Koordination verantwortlich war.
Als Speaker war Detlef Krehl, unterstützt vom AvD (Automobilclub von Deutschland) tätig. Er informierte an den jeweiligen Etappenzielen die vielen anwesenden Zuschauer kompetent über die jeweiligen Fahrzeuge.

Nicht ohne Grund haben die Organisatoren die attraktive Gegend im Bodenseegebiet als Austragungsort gewählt. Zu der reizvollen Landschaft entlang des Ufers von Rhein und Bodensee kommt auch die automobilhistorische Bedeutung dieser Gegend aus den Anfängen des Individualverkehrs hinzu. Als bedeutendste deutsche Unternehmen sind zu erwähnen: Automobilwerke Maybach in Friedrichshafen, die Karrosseriefabrik Spohn in Ravensburg, die Zahnradfabrik Friedrichshafen, aus schweizerischer Sicht sind vor allem die Nutzfahrzeughersteller Saurer in Arbon und Mowag in Kreuzlingen zu erwähnen, wobei Saurer in den Anfängen auch Personenwagen herstellte. Eine ebenfalls sehr bekannte Automarke war auch Martini in Frauenfeld, die bis 1934 technisch hervorragende und zuverlässige Autos baute. Ein idealer Rahmen also für die erste Rhein-Bodensee Oldtimer Trophy.

Am Mittwoch, 29. Mai 2002 ab 14.00h trafen die ersten der 40 Teams beim Yachthafen/Seegarten in Kreuzlingen ein. Am Donnerstagmorgen um 08.15h war dann der Start zur ersten Etappe. Die Route führte von Kreuzlingen über Romanshorn, Friedrichshafen und Meersburg zurück nach Kreuzlingen. Nach der Seeüberquerung mit der Fähre besuchten die Teilnehmer in Friedrichshafen das Zeppelin-Museum. Die von Graf Zeppelin gebauten Luftschiffe waren ein Meilenstein der Luftfahrttechnik und die Automobilwerke Maybach bauten ein Fahrzeug mit der Typenbezeichnung ‚Zeppelin’. Diese besonders luxuriösen Autos waren mit einem riesigen V12-Zylinder Motor mit fast 8 Litern Hubraum bestückt. Der über 2 Tonnen schwere Wagen erreichte somit eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h.

Am Freitag ging die Fahrt weiter nach Stein am Rhein. Unterwegs besuchten die Teams die Insel Mainau, die für ihre Blumenpracht bekannt ist. Während einer Zwischenverpflegung für die Teilnehmer konnten sich die Besucher der Blumeninsel an den ausgestellten Autos erfreuen. Am Samstag hielt man sich in der Region zwischen Neuhausen und Stein am Rhein auf und während die gut bewachten Wagen in Schaffhausen ausgestellt wurden, besuchten die Teams den weltbekannten Rheinfall. Am Sonntag dem 2. Juni, dem letzten Tag der Rhein-Bodensee Oldtimer Trophy, tuckerten die Veteranen entlang des Rheins und des Bodensees von Stein am Rhein über Diessenhofen zurück nach Kreuzlingen-Seeburg zur Siegerehrung.

Die Rhein-Bodensee Oldtimer Trophy 2002 war eine gelungene und beeindruckende Veranstaltung, die an die Organisation hohe Anforderungen stellte. In vielen Ortschaften wurden eigens reservierte und abgesperrte Plätze bereitgehalten, um die Oldtimer dem sehr interessierten und zahlreich anwesenden Publikum auch in würdiger und stilvoller Umgebung präsentieren zu können. Ohne die Kooperation der Gemeinden wäre eine solche Veranstaltung sicher nicht durchführbar gewesen. Auch der heutige Strassenverkehr bereitet vielen dieser uralten Autos teilweise Probleme. Der 109 Jahre alte original erhaltene Benz Victoria beispielsweise erreicht an Steigungen nicht viel mehr als Schritttempo – aber damals hatte man eben noch für Vieles mehr Zeit als in unserer hektischen Gegenwart und manch einer wünschte sich in dieser Beziehung ein Stück Vergangenheit zurück.

Bereits jetzt vormerken: Die zweite Austragung findet statt vom 28. Mai bis 1. Juni 2003. Wir werden für Sie wieder dabei sein.

 

Einer der Stars, der absolut original erhaltene Benz Victoria, Baujahr 1893. Noch nie restauriert und noch immer im gleichen Familienbesitz. Am rechten Bildrand auf der Lampe ein rot/weisser Aufkleber des Automobilclubs von Deutschland mit der Aufschrift AvD, gegründet 1899. Der Benz war damals bereits sechs Jahre alt !

Viele Teilnehmer kleideten sich passend zu ihren Fahrzeugen, was eine besondere Verbundenheit zu den alten Fahrzeugen darstellt

Eine ‚riesen Schmiererei’. Ein Kunstwerk für sich ist diese Zentralschmierung, hier an der Startnummer 10, einem Daimler von 1900. An den Schaugläsern konnte man den Oelstand auf einen Blick sehen

Der Motor des Benz Victoria, ein 1-Zylinder mit liegendem Zylinder und riesigem über Lederriemen angetriebenen Schwungrad. Der Wagen rüttelte und schüttelte, man hatte das Gefühl, er würden jeden Augenblick auseinanderfallen – er hielt aber während der gesamten Fahrt über die 5 Tage durch – bravo!

Links Organisator Urs P. Ramseier, rechts mit der roten AvD-Mütze Speaker Detlef Krehl aus Deutschland

Aufstellung der Fahrzeuge vor der Drachenburg in Gottlieben, wunderschön direkt am Bodensee gelegen

Furchteinflössend: Hupe an einem Renault von 1903. Das waren noch Zeiten, als selbst eine banale Hupe mit so viel Liebe zum Detail in Handarbeit hergestellt wurde

Imposant die mächtigen Messingscheinwerfer. Betrieben wurden diese Prachtstücke damals mit Petrol, Karbid oder bei einfacheren Lampen mit Kerzen – man wusste halt noch nichts von Xenon-Scheinwerfern

Detlef Krehl bei der Arbeit

Startnummer 54, der imposante Mercedes Simplex Double Phaeton aus dem Jahr 1903 des deutschen Berthold Rückwarth

Nochmals Mercedes, hier ein Rennwagen des Typs 28/32 von 1904. Mike Timms brachte den Wagen aus England an den Bodensee

Der englische Arrol-Johnston von 1902 ist eine richtige ‚Familienkutsche’. Die Passagiere dürfen vorne sitzen – für gute Sicht und Frischluft ist immer gesorgt und sollte es mal regnen – na ja, dürfte wohl weniger angenehm sein

Auch viele Frauen haben an den Veteranen Freude – auch wenn die Hände mal bis hinter die Ohren schwarz werden. Aber Hauptsache der Wagen ist schnell wieder einsatzbereit

Der Renault von 1903 bei der Durchfahrt in Gottlieben . . . .

. . . . gefolgt von einem gleichalten Cadillac

Ein Saurier der automobilen Urzeit, ein weiterer Mercedes Simplex Double Phaeton mit Baujahr 1904 des Engländers Neil Corner

Der Einzylindermotor des Georges Richard (das ist das Auto) von Brian Cumming (das ist der Besitzer)

Links das Pace Car, der Pic-Pic aus dem Jahre 1914, in der Mitte ein Cadillac von 1904 und rechts der Mercedes Simplex von 1904

Fast möchte man nach den Zugpferden suchen, aber der Benz Victoria von 1893 ist tatsächlich schon ein richtiges Automobil, hier bei der Einfahrt vor die Drachenburg in Gottlieben

Ein kritischer Blick kann nie schaden und ist bei dieser alten Technik absolut empfehlenswert

Mercedes . . . .

. . . . und nochmals Mercedes. Hier der Rennwagen Typ 28/32 in voller Fahrt

Ein sehr interessantes Fahrzeug ist der französische Alfred Dinin mit Elektroantrieb, gefahren von Bruno Kaufmann, hier mit Laurence Mehr als Copilotin

Auf der Strecke zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein fanden sogar Überholmanöver statt. Der Daimler aus dem Jahre 1900 mit der Startnummer 10 wird vom zwei Jahre jüngeren De Dion Bouton überholt

Das Pace Car, ein PIC-PIC Coupé Chauffeur von 1914. Diese einstige Schweizer Marke aus Genf (Piccard-Pictet) baute von 1905 bis 1924 Autos. Dieses Fahrzeug der Bank Pictet & Cie, einer der Sponsoren der Rhein-Bodensee Oldtimer Trophy, war auf grund des Baujahres nicht als eigentlicher Teilnehmer mit von der Partie

Ein weiterer Mercedes Typ 28/32 von 1903

Wenn in naher Zukunft hypermoderne Autos ohne Lenkrad gebaut werden, dürfte manch einer diese neue Erfindung eher mit Skepsis betrachten. Der De Dion Bouton von 1901 zeigt aber, dass es schon damals ohne Lenkrad ging und beweist, dass viele automobile Neuheiten schon vor Jahrzehnten existierten

Vom Benz Victoria kann man gar nicht genug bekommen. Selbst der Teppich ist noch original vorhanden, wenn auch mit deutlichen Gebrauchsspuren. Die Koflügel dieses Urahns des Automobilbaus bestehen aus lederbespannten Metallrahmen

Fachgespräche über den Cadillac von 1903. Wenn auch die alten Autos sprechen könnten?!

Nicht einmal in modernen Geländewagen sitz man so hoch, im Daimler von 1910 sitzt man nicht im sondern auf dem Auto – halt eben wie früher auf den Kutschen

Die Seeburg in Kreuzlingen, wo die Veteranen am Sonntagnachmittag ein letztes Mal bewundert werden konnten

Preis der Stadt Kreuzlingen: Startnummer 28, Mors Tonneau 1902, des Briten Stuart Evison

Die Pokale und Preise, im Hintergrund die Helfer, ohne die eine Veranstaltung in dieser Art sicher nicht durchführbar wäre

Trygve Krogsaeter aus Norwegen erhielt den Preis für die längste Anreise (mit Anhänger), er startete mit einem Cadillac aus dem Jahre 1902

Den Preis für das älteste und am besten erhaltene (Originalzustand) Fahrzeug ging an Leif und Thea Ögren und ihren Benz Victoria aus dem Jahre 1893 – ein wirklich faszinierendes Fahrzeug

Der Panhard - Levassor A2 Centaure von 1902 und sein Besitzer, der Engländer John Lawson, durften die Internationale Rhein-Bodensee Oldtimer Trophy 2002 entgegennehmen

Der letzte Aufenthalt war im alten Dorfkern von Diessenhofen, im Hintergrund das alte Stadttor
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